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Vor 45 Jahren als Junge von Arzt missbraucht und vergewaltigt - Man vergisst es nie

Letzte Nachricht: 3. Mai 2020 um 19:27
C
camron_13083236
02.05.20 um 19:47

Im Jahre 1974 hatte ich im Alter von 10 Jahren auf dem Nachhauseweg von der Grundschule einen schweren Verkehrsunfall. Milzriss, beide Oberschenkel gebrochen und weitere kleinere Verletzungen. Mein Leben wurde in einer Notoperation durch einen Arzt aus Indien gerettet. Zu meinem Glück war just genau in dieser Woche eine Ärztedelegation in Köln und diese besuchten gerade mit einigen Ärzten das Krankenhaus in das ich eingeliefert wurde. Dabei war dann auch der Arzt der mich operiert hat. Es war also purer Zufall das ich überlebt habe.
Ich war insgesamt 9 Wochen in diesem Krankenhaus. Nachdem ich wieder einigermaßen fit war und das laufen neu lernen mußte wurde ich erstmals von einem jüngeren Arzt abgeholt weil ich ständig Verstopfung durch das viele Liegen hatte. Er hat mir Einläufe gemacht und mich auch sonst weiter untersucht. Am Anfang fühlte sich das alles okay an. Zwar peinlich aber laut allen Beteiligten mußte es sein. Im Laufe von ungefähr 2 Wochen steigerte sich das ganze dann aber bishin zu extremen Dingen auf dem gynäkologischen Stuhl und auch mehrfachen Vergewaltigungen. Er hat auch viele Fotos davon gemacht. Letztlich mußte ich das alles über mich ergehen lassen und durfte nichts sagen weil er gedroht hat mich nachts mit einer Infusion zu töten. Ich habe es versucht meinen Eltern und meiner Tante zu sagen aber das war völlig sinnlos.


Das alles ist jetzt 45 Jahre (!) her, aber es hat mein Leben bis Heute geprägt und völlig im Griff! Die Erinnerungen daran sind zwar verblasst, aber sobald ich zum Arzt muß und ich mich auch nur bis zur Unterhose ausziehen soll dreht mein Körper auf. Selbst wenn mein Kopf sagt es ist okay, macht der Körper dennoch was er will. Er fängt an zu zittern, ich schwitze oder vergesse das Atmen. Panik und Fluchtgedanken kommen auf. Aus diesem Grund konnte ich praktisch zu keinem Arzt gehen und habe ärztlich nur das Nötigste gemacht das unvermeidbar war. Zum Glück war ich bis Heute nie ernsthaft erkrankt. Mir sind in diesem vielen Jahren so viele Dinge passiert und daher war es am besten einfach nicht mehr zum Arzt zu gehen. Ich habe versucht verständige Ärzte zu finden in dem ich einfach beim ersten Besuch die Wahrheit erzählt habe. Leider immer ohne Erfolg. Männern glaubt man dies nicht oder man gibt ihnen nicht das Recht deswegen Angst zu haben. Eine Psychologin hat mir gar gesagt das sie mir das nicht glauben kann und das Männer eher Frauen vergewaltigen und keine Männer. Das war vor 25 Jahren. Irgendwann habe ich dann einfach aufgegeben und mich in mein Schicksal gefügt. Ich gehe grundsätzlich nur zu weiblichen Ärzten um mich behandeln zu lassen, und ich habe mich noch nie unterhalb der Gürtellinie untersuchen lassen. Dieser Bereich ar tabu.


Meinen ersten gewollten sexuellen Kontakt hatte ich mit 30 Jahren. Den Zweiten mit 36 Jahren und mit dieser Frau lebe ich noch immer zusammen und wir haben 2 Kinder.


Der Zufall half mir Anfang des Jahres. Ich wechselte meinen Hausarzt und geriet an eine junge Ärztin die gerade frisch in einer Gemeinschaftspraxis angefangen hatte. Sie war mir sofort sehr sympathisch. Sie hat zugehört, war empathisch und gab mir die Zeit die ich brauchte. Ich beschloß bei einem weiteren Termin noch einmal alles auf eine Karte zu setzen und habe ihr erzählt was los ist. Nur ganz grob damit sie es versteht. Und sie ist damit prima umgegangen. Ich kürze hier jetzt einmal ab was in den folgenden Monaten passiert ist: Sie hat mir nicht nur geglaubt , sondern mich auch von oben bis unten untersucht, in meiner Geschwindigkeit, hat mich nicht gedrängt, mich nicht gehetzt. Wir haben viel geredet und telefoniert wenn es nötig war. Trotz Corona! Sie versteht mich völlig. Ich vertraue ihr zu 100% und würde ihr jederzeit mein Leben anvertrauen. Sie ist nun auch das Bindeglied zwischen mir und anderen Fachärzten – Wir suchen gerade gemeinsam einen Hautärztin bei der ich eine Hautkrebsvorsorge machen kann (vor 5 Monaten hätte ich eher Selbstmord begangen als sowas auch nur in Erwägung zu ziehen!). Sie ruft dann dort an und erklärt den Ärzten was los ist. Denn ohne diese Erklärung würde es unmöglich da mein Körper wie einfangs beschrieben halt nicht so reagiert wie ich es möchte. Durch Sie kann ich nun endlich eine vernünftige medizinische Versorgung in Anspruch nehmen.


Sicherlich wird es noch Dinge geben die nicht so leicht werden. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen mich jemals freiwillig auf eine Gyn-Stuhl zu setzen den es ja auch bei Urologen und Proktologen gibt. Aber ich habe jetzt eine Perspektive und wer weiß was noch alles möglich ist.


Passt gut auf eure Kinder auf und danke fürs Lesen.


LG
 

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C
camron_13083236
03.05.20 um 19:27

Wow! Keine einzige öffentliche Antwort, aber dafür PN. Ich werde sie alle beantworten. Danke euch für die Anteilnahme.

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