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Sexualaufklaerung in der Schule

11. August 2011 um 10:44

Mich wuerde mal interessieren, fuer wie lebensnah Ihr die schulische Sexualaufklaerung haltet, die Ihr erlebt habt. Habt Ihr das Gefuehl, neben den biologischen Fakten auch was fuers Leben gelernt zu haben, also fuer konkrete Situationen am Anfang Eures Sexlebens? Wurden die Fragen, die Euch zum Thema Sex persoenlich am meisten interessieren durch den Unterricht beantwortet? Wie sind da Eure persoenlichen Erfahrungen, egal welcher Altersguppe Ihr angehoert? Gern auch als PN.

11. August 2011 um 11:14

Das bestaetigt meinen Eindruck,
dass sich seit meiner Schulzeit da gar nicht so viel veraendert hat. Was fuer einen Herangehensweise haettest Du Dir denn von der Lehrerin bzw. dem Unterricht gewuenscht? (Ausser getrennte Klassen.) Was haette besser gemacht werden koennen?

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11. August 2011 um 11:25

Ich nehme an,
da ging es in erster Linie auch nur um die biologischen Fakten. Hattet Ihr damals eigentlich auch noch diesen Sexualkundeatlas im Unterricht? Der kam schon 1969 raus, wurde damals von der Gesundheitsministerin Kaete Strobel in Auftrag gegeben und sofort nach Erscheinen aufs heftigste kritisiert - von Katholiken, Konservativen, aber auch Linken. Besonderer Kritikpunkt: die Fotos von einer Vagina waehrend der Austreibungsphase der Geburt und von einem Penis mit einem Syphilisgeschwuer. Daran muss ich immer denken, wenn sich Leute darueber aufregen, dass die Jugendlichen heute so viel Pornos konsumieren und nicht mehr "behutsam an Sexualitaet herangefuehrt werden" ...

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11. August 2011 um 11:29

Hallo!
Ich hatte in den ersten Jahren am Gymnasium eine Ordensschwester als Biologielehrerin.

Erst dachte ich es könnte ein Nachteil sein, aber nachdem ich gehört hatte, was die anderen Klassen gemacht haben, war unser Unterricht im Vergleich auf keinen Fall schlecher.

Heute noch rechne ich ihr hoch an, dass sie sehr offen war und alle Fragen beantwortet hat. (Wir hatten Witzbolde in der Klasse, die sie nach persönlichen Erfahrungen gefragt haben, es war die einzige Frage, auf die wir keine richtige Antort bekamen. Sie meinte darauf: "Genau so wenig, wie mich euer Sexleben angeht, geht euch mein Sexleben an...")

Sie sprach sehr ausführlich mit uns über den Akt an sich (aus rein biologischer Sicht), über das "Erste Mal", über Verhütung, über den Zyklus und Monatshygiene, den Verlauf einer Schwangerschaft usw.

Obwohl sie Ordensschwester war, ging es nicht ein einziges Mal um katholische Moralvorstellungen oder Ähnliches und ich hatte nie das Gefühl eines erhobenen Zeigefingers.

In einer Unterrichtsstunde hatten wir dann zusäzlich eine Gynäkologin zu Besuch.

Zudem wurde in meiner Familie eigentlich immer offen mit dem Thema umgegangen und es gab keine Fragen, die nicht gestellt werden durften. Der Unterricht war ein guter Aufhänger für mich, das Thema auch zu Hause mit meiner Mutter noch einmal anzusprechen. Das habe ich mich nämlich nicht gerade immer getraut in dem Alter.

Konkreten Nutzen bei meinen ersten sexuellen Erfahrungen im Sinne einer "Gebrauchsanleitung" hatte ich danach natürlich nicht, aber das kann und soll Aufklärungsunterricht auch nicht leisten. Aber ich fühlte mich irgendwie vorbereitet. Ich hatte einfach keine Angst, weil ich bescheid wusste.

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11. August 2011 um 11:30

Seit ein paar Jahren wird ja auch diskutiert,
ob ausgewaehlte Pornos mit Zustimmung der Schueler und Eltern im Sexualkundeunterricht gezeigt werden koennen. Geht glaube ich aus rechtlichen Gruenden im Moment noch nicht. Glaubst Du das waere eine Moeglichkeit, die Inhalte lebensnaeher rueberzubringen? Also, es geht da um einfache Pornographie, keine extremen Sachen.

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11. August 2011 um 11:36

Peinlich
Das finde ich besonders traurig, dass das Thema manchen Lehrern offensichtlich peinlich ist.

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11. August 2011 um 11:47
In Antwort auf eineganznormalefrau

Hallo!
Ich hatte in den ersten Jahren am Gymnasium eine Ordensschwester als Biologielehrerin.

Erst dachte ich es könnte ein Nachteil sein, aber nachdem ich gehört hatte, was die anderen Klassen gemacht haben, war unser Unterricht im Vergleich auf keinen Fall schlecher.

Heute noch rechne ich ihr hoch an, dass sie sehr offen war und alle Fragen beantwortet hat. (Wir hatten Witzbolde in der Klasse, die sie nach persönlichen Erfahrungen gefragt haben, es war die einzige Frage, auf die wir keine richtige Antort bekamen. Sie meinte darauf: "Genau so wenig, wie mich euer Sexleben angeht, geht euch mein Sexleben an...")

Sie sprach sehr ausführlich mit uns über den Akt an sich (aus rein biologischer Sicht), über das "Erste Mal", über Verhütung, über den Zyklus und Monatshygiene, den Verlauf einer Schwangerschaft usw.

Obwohl sie Ordensschwester war, ging es nicht ein einziges Mal um katholische Moralvorstellungen oder Ähnliches und ich hatte nie das Gefühl eines erhobenen Zeigefingers.

In einer Unterrichtsstunde hatten wir dann zusäzlich eine Gynäkologin zu Besuch.

Zudem wurde in meiner Familie eigentlich immer offen mit dem Thema umgegangen und es gab keine Fragen, die nicht gestellt werden durften. Der Unterricht war ein guter Aufhänger für mich, das Thema auch zu Hause mit meiner Mutter noch einmal anzusprechen. Das habe ich mich nämlich nicht gerade immer getraut in dem Alter.

Konkreten Nutzen bei meinen ersten sexuellen Erfahrungen im Sinne einer "Gebrauchsanleitung" hatte ich danach natürlich nicht, aber das kann und soll Aufklärungsunterricht auch nicht leisten. Aber ich fühlte mich irgendwie vorbereitet. Ich hatte einfach keine Angst, weil ich bescheid wusste.

Übrigens
reine Mädchenklasse, Anno 1997

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11. August 2011 um 11:48

Das
Fände ich auch eigentlich sinnvoll.

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11. August 2011 um 11:49

Aufkläung in der Schule
Bei uns war es ganz genaus nur Pille Kondome und sowas wurde überhaupt nicht erwähnt, Fürs leben brauchbares gelernt wohl eher nichts. Das was wir brauchten haben wir uns in der Freizeit beigebracht,

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11. August 2011 um 11:52

Bin ganz Deiner Meinung und frage mich,
wie es kommt, dass so viele Jahrzehnte nach der sexuellen Liberalisierung die Leute immer noch so viel Pruederie verinnerlicht haben. Gerade auch in der Generation, die diese Zeit bewusst miterlebt und von ihr profitiert hat. Ist die Macht einer sexualfeindlichen Erziehung so stark? Was ist da schief gelaufen?

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11. August 2011 um 11:54

Hallo Fritz!
Welche Art von schulischer Aufklaerung haettest Du Dir denn damals als Jugendlicher gewuenscht? Und haettest Du gewagt, die Fragen im Unterricht zu stellen, die Dich am meisten zum Thema Sex interessiert haben?

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11. August 2011 um 11:56
In Antwort auf denice_12692655

Aufkläung in der Schule
Bei uns war es ganz genaus nur Pille Kondome und sowas wurde überhaupt nicht erwähnt, Fürs leben brauchbares gelernt wohl eher nichts. Das was wir brauchten haben wir uns in der Freizeit beigebracht,

Ich finde
wenn man Schüler zu verantwortungsbewussten Menschen erziehen will, dann ist Verhütung eines der wichtigsten Themen beim Aufklärungsunterricht überhaupt.

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11. August 2011 um 12:02

Hast Du eine Erklaerung dafuer,
weshalb sich in all den Jahrzehnten scheinbar nicht so viel geaendert hat? Ich meine Lehrer oder Lehrerinnen, die immer noch peinlich beruehrt sind, wenn sie Sexualkunde unterrichten "muessen", das Weglassen aller Lustaspekte, die Konzentration auf Anatomie, Eisprung, Samenzellen, Schwangerschaft ... Da waren wir doch in den sechziger und siebziger Jahren schon mal weiter oder?

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11. August 2011 um 12:24

Keine Ahnung,
hast Du eine Idee?

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11. August 2011 um 12:29

Das klingt nach einer Schulzeit
in den sechziger Jahren. Kann das sein?

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11. August 2011 um 12:31

Dabei reden die Aelteren
staendig ueber Jugendsexualitaet, Generation Porno etc. ohne sich dezent zurueckzuhalten ...

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11. August 2011 um 12:45

Soweit ich mich erinnere
gab es an meinen Lehranstalten keinerlei sexuelle Aufklärungsarbeit.
Allerdings herrschte in meinen Jahrgängen von 1996 - 2000 immer ein relativ großer Lehrermangel. Infolgedessen ist nicht nur die sexuelle Aufklärung, sondern auch der Unterricht in Englisch und Geschichte etwas zu kurz gekommen.
Fragen welche in der Richtung aufkamen wurden unter Gleichaltrigen besprochen, wobei einige entweder schon Erfahrungen oder nur eine große Klappe aufweisen konnten.

LG

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11. August 2011 um 12:53

Ich dachte dabei weniger an
Teen Porn als an die ganze Moralpanik vor ein paar Jahren zum Thema "sexuelle Verwahrlosung", Generation Porno etc., also wo sich oft genau die Erwachsenen, die den Spirit von 68 selbst erlebt haben, ueber die Jugend erheben und sie mit ihren eigenen Aengsten und Werturteilen belasten, so mein Eindruck.

Jeder wird mal aelter und da kann auch jungen Menschen der Austausch mit Aelteren zu sexuellen Themen nicht schaden

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11. August 2011 um 13:42

Seit wann ruft denn
das Wort "Austausch" in Deutschland so spoettische Reaktionen hervor? Wenn's dazu ne bessere Alternative gibt, bin ich die Erste, die sich dafuer interessiert ...

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11. August 2011 um 17:02

Hallo Fritz,
ich glaube, Deine Erfahrungen sind nicht nur fuer die typisch, die in den 50ern aufgewachsen sind, sondern tendenziell auch noch fuer spaetere Jahrgaenge. Wobei ich mich frage, was schwerer wiegt: der Mangel an Informationen oder die lustfeindliche Atmosphaere, die da mitschwang, oder halt die Kombination von beidem. Wenn Du sagst, dass Dich das bis weit in Dein Leben hinein beeinflusst hat, wie - wenn ich Dich das in aller Oeffentlichkeit fragen darf - hat sich das denn konkret geaeussert? Meinst Du damit Wissen, das nicht vorhanden war und dadurch sexuelle Erfahrungen blockiert hat? Was waere fuer Dich anders gelaufen, wenn Du liberaler aufgeklaert worden waerst? Viele Gruesse, tado

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