Forum / Sex & Verhütung

Liebe ohne Zukunft

Letzte Nachricht: 26. Februar 2015 um 5:31
18.01.15 um 11:41

Hallo zusammen. In letzter Zeit habe ich viele Beiträge mit dem Thema "Schülerin liebt Lehrerin" gesehen. Deshalb und weil es mir auch so ging/geht möchte ich meine Geschichte auch mal loswerden. Vielleicht hilft sie dem/der einen oder anderen...
Also: Ich war noch in der Grundschule. Es war gerade die Zeit, in der sich entschied welche Schule man nach der Grundschule besucht (also Gymnasium oder Realschule) Wir machten einen Klassenausflug zum Tag der offenen Tür in eine Realschule. Und da sah ich sie das erste mal. Sie kam über den Schulhof um uns zu begrüßen und uns dann die Schule zu zeigen. Natürlich war sie nicht nur eine Lehrerin, nein. Ich hatte mich direkt in die Schulleiterin verschossen. Naja, von Liebe kann da noch keine Rede gewesen sein, ich war gerade erst 9 oder 10 Jahre alt. Auf jeden Fall stand ab diesem Tag fest auf welche Schule ich gehen würde...
Die Sommerferien vergingen und ich sah sie wieder. Von der 5. und 6. Klasse gibts jetzt nicht soviel zu erzählen. In der 7. Klasse wurde es dann langsam zum Problem. Ich habe viel über sie nachgedacht, zu viel. Immer mehr habe ich mich auf sie versteift. Mir war aber auch bewusst, dass ich keine Chance hab bei ihr zu landen. Immerhin war sie ca. 50 Jahre alt, verheiratet und hatte Kinder. Zudem war ich ein Mädchen, das hats natürlich nicht besser gemacht...
Auf jeden Fall hat mich die ganze Sache ziemlich runter gezogen. Ich habe alles versucht. Ich hab versucht sie zu vergessen, was sich als ziemlich schwierig erwies, da ich sie jeden Tag sah. Ich hab versucht sie zu hassen, hab nach irgendwelchen Fehlern oder Macken bei ihr gesucht, leider nichts gefunden. Nichts hat geholfen, im Gegenteil. Ich verliebte mich nur noch mehr in sie. Ich hatte noch niemandem etwas erzählt. Weder das ich lesbisch (bzw. bi wie sich herausstellte) bin, noch das ich mich in die Schulleiterin verliebt hatte. Aber es musste raus, ich musste es jemandem erzählen, sonst wäre ich geplatzt.
Als ich mich an einem Nachmittag mit meiner besten Freundin traf, hab ich es ihr gesagt. Natürlich unter der Bedingung dass es unter uns bleibt. Tja, von wegen unter uns! Sie hat es ihrer besten Freundin erzählt, sie ihrer und so weiter. Nach 2 Tagen hab ich mich dann gewundert, warum mich einige Schüler so komisch anguckten und grinsten. Von Tag zu Tag wurden es mehr die mich blöd angeschaut haben. Langsam dämmerte es mir. Ich fragte meine Freundin also, ob sie vielleicht wüsste was da los ist. Sie hat mir dann gestanden dass sie es ihrer Freundin gesagt hat. Tja, blöd gelaufen für mich. Nach nichtmal 2 Wochen wusste es die ganze Schule. Jedenfalls die Schüler wussten bescheid. Keine Ahnung in wie weit es zu den Lehrern vorgedrungen war.
Ich hatte mich dann nach langem überlegen dazu entschieden, ihr zu beichten wie es um mich steht. Ich dachte mir, sie würde es früher oder später doch erfahren. Und ich hielt es für besser, wenn sie es durch mich erfährt und nicht durch irgendjemand anders. Es war ein schwerer Entschluss, denn ich hatte mir eigentlich immer geschworen es ihr unter keinen Umständen zu sagen. Einerseits weil ich sie nicht zusätzlich mit meinen Problemen belasten wollte, andererseits weil ich ziemlich viel Angst vor ihrer Reaktion hatte. Aber wie sollte ich es ihr sagen? Am einfachsten erschien es mir per Brief. Viel sprechen konnte ich in ihrer Gegenwart sowieso nicht. Und wenn doch, dann kam nur irgendein sinnloses geschwafel, über welches ich mich noch Tage später ärgerte...
Aber ich hatte unglaublich viel Schiss. Ich hab es immer weiter vor mich hin geschoben. Nun war die 7. Klasse auch schon zu Ende, egal, dachte ich mir, dann sag ich es ihr nächstes Schuljahr... Und wieder schob ich es und schob es....
Ca. 2 Monate nach Beginn der 8. Klasse wurde sie krank. Ich wusste nichtmal was sie hatte. Ich hab mich auch nicht getraut einen Lehrer danach zu fragen, das wäre in meinen Augen zu auffällig gewesen. Durch einen Zufall hab ich dann etwas über ihren Zustand erfahren. Es war zwar nicht das gelbe vom Ei, aber sie würde wieder kommen und das war mir sehr wichtig. Irgendwann gegen Ende des Schuljahres oder Anfang der 9. Klasse ( kann mich nicht mehr genau erinnern) kam sie wieder. Okay, dann dieses Jahr, dachte ich. Aber einen Brief hatte ich bis dahin auch noch nicht geschrieben. Mir haben auch die Worte gefehlt. Ich wusste echt nicht was ich schreiben sollte. Irgendwann holte sie mich mal zu sich in ihr Büro und fragte was mit mir los sei, ich hätte abgenommen ( ich war schon immer etwas mollig. Zu der Zeit machte ich eine Diät. Offensichtlich erfolgreich ) und wäre so traurig. WAS? Verdammt, war es echt so auffällig? Dabei hatte ich mich in ihrer Gegenwart versucht unauffällig zu verhalten.Das war das erste mal, dass ich alleine mit ihr war. Mein Gott, hab ich vielleicht geschwitzt! Ich hatte mich noch nie vorher so gefühlt. Einerseits war ich total glücklich, endlich mal alleine mit ihr! Andererseits war ich so aufgeregt, ich hätte sterben können...
Es gab da einen Jungen, der mich mobbte. Eigentlich gab es da sehr viele, aber er war am schlimmsten. Ich musste mir anhören ich sei eine scheiß Lesbe und hässlich ( eine Schönheit bin ich ja echt nicht. Aber er auch nicht...) und fett (wie bereits erwähnt)Das erzählte ich ihr dann noch. Er bekam nen ziemlichen Anschiss von ihr. Eine Woche später sollte ich dann nochmal zu ihr und berichten, ob es mir etwas besser geht.
Aber warum das ganze? Die Jahre zuvor war ich ja auch nicht so wichtig. Wusste sie bescheid? Wollte sie es nur nochmal aus meinem Mund hören? Ging es ihr vielleicht ähnlich? Ich weis es nicht. Ich hatte nicht den Mut es ihr zu sagen. Aber ich hatte ja noch die 10. Klasse vor mir. Dann würde ich den Abschluss machen und wäre weg von der Schule. Also wäre es nicht schlimm gewesen, hätte sie negativ reagiert. Außerdem hätte es den Vorteil gehabt, dass ich nicht mehr auf ihrer Schule wäre, wenn doch mehr von ihrer Seite gewesen wäre. (träum...)Der Plan stand also. Gegen Ende der 10. Klasse würde ich es ihr sagen. Soweit, so gut.
Also, erster Schultag der 10. Klasse. Im Bus erzählte mir eine Freundin, die Schulleiterin läge im Krankenhaus. Mehr als müde lächeln konnte ich nicht. Schon zu oft hatte man solch geschmacklose Scherze gemacht. Allerdings war diesmal irgendetwas anders. Ich hatte schon eine Weile so ein mulmiges Gefühl. Der Schulbus fuhr an diesem Tag an ihrem Haus vorbei (normalerweise fuhr dort ein anderer Bus, ach egal, das zu erklären würde jetzt zu lange dauern) auf jeden Fall fuhren wir an ihrem Haus vorbei, aber es war seltsam. Kein Licht, das Tor war noch geschlossen. Vielleicht hat sie ja verschlafen, dachte ich mir so. In der Schule angekommen wurde ich doch etwas nervös. Zu recht, wie sich herausstellen sollte. Zu Beginn jeden Schuljahres hielt die Schulleiterin eine kurze Rede und begrüßte die neuen Schüler. Nicht so in diesem Jahr, die Stellvertretende Schulleitung übernahm dies. Aber warum? Sollte der einstige Scherz jetzt schreckliche Wahrheit geworden sein? Ja...
Ich erfuhr dann, dass sie in den Ferien einen schweren Schlaganfall erlitten hat. Das war wie ein Schlag ins Gesicht, nein, eher wie ein Tritt... Ich bin dann raus und hab mir ein stilles Fleckchen auf dem Schulgelände gesucht, um das kurz sacken zu lassen. Naja, wirklich realisiert was passiert ist habe ich erst Tage später. Lange Rede, kurzer Sinn. Das letzte mal gesehen habe ich sie am 7.7.2004. Ja, ich hätte mich bei ihr melden können, aber meine Angst war zu groß. Außerdem hatte sie wahrscheinlich genug mit sich selbst zu tun, da wollte ich nicht im Weg sein. Das schlimmste an der Sache ist aber, dass ich nicht weis wie sie darauf reagiert hätte, wenn ich ihr meine Liebe gestanden hätte. An dieser Stelle wird für immer ein riesiges Fragezeichen stehen. Und es macht mich fertig. Seit über 10 Jahren kann ich sie nicht vergessen und werde es auch nie können...

Also Leute, solltet ihr auch in jemanden verliebt sein, egal in wen, gesteht es ihm/ihr. Nur so könnt ihr wirklich wissen ob er/sie das selbe für euch empfindet oder nicht. Tut es besser noch heute, morgen könnte es schon zu spät sein.

Danke fürs lesen.

Viele Grüße

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25.02.15 um 14:07

Eine wirklich traurige Geschichte
Ich finde es ganz toll, dass Du sie ihr aufgeschrieben und geteilt hast. Es tut mir wirklich leid, dass Du nicht den Mut gefunden hast mit ihr zu reden. Gibt es denn gar keine Möglichkeit, das nachzuholen? Vielleicht hat sie sich von dem Schlaganfall ja erholt. Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass man manchmal nur ein einziges Mal etwas riskieren muss, damit sich ein Traum erfüllt. Was hättest Du zu verlieren? Sie? Wohl eher nicht. Sie kannst Du nur gewinnen. Weiblein gegrüßt!
Mohnblumenberg

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26.02.15 um 5:31
In Antwort auf

Eine wirklich traurige Geschichte
Ich finde es ganz toll, dass Du sie ihr aufgeschrieben und geteilt hast. Es tut mir wirklich leid, dass Du nicht den Mut gefunden hast mit ihr zu reden. Gibt es denn gar keine Möglichkeit, das nachzuholen? Vielleicht hat sie sich von dem Schlaganfall ja erholt. Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass man manchmal nur ein einziges Mal etwas riskieren muss, damit sich ein Traum erfüllt. Was hättest Du zu verlieren? Sie? Wohl eher nicht. Sie kannst Du nur gewinnen. Weiblein gegrüßt!
Mohnblumenberg

Kleiner Rechtschreibfehler
Sorry, da sollte nicht stehen - "Weiblein gegrüßt" , sondern "Sei lieb gegrüßt!" Diese automatische Texterkennung kann einen wirklich den letzten Nerv rauben.

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